Gerd Bonfert

« Gedächtnisbiopsien »

Die Galerie 21 zeigte in ihrer Ausstellung vom 3.10.2008 bis 14.11.2008 neue Arbeiten von Gerd Bonfert.

Üblicherweise verbindet sich die Betrachtung einer Fotografie mit der Annahme, dass diese eine genaue Abbildung gesehener Realität ist und daraus resultierend die Vorstellung, dass die Fotografie anhand von abgelichteten Situationen und Objekten Erinnerungsdaten liefert, die jederzeit bereits Erlebtes als Rekonstruktion neu hervorruft. In den „Bildern“ von Gerd Bonfert geht es jedoch nicht darum, Erscheinungen der äußeren Welt in herkömmlicher Weise abzubilden. Seine „Ein-Bildungen“ liefern nicht die übliche Wiedererkennbarkeit, sie sind vielmehr das Ergebnis eines Gestaltungsprozesses.

Bonfert nennt seine Fotografien „Gedächtnisbiopsien“. Bei der Wahrnehmung der Realität ergeben sich Zusammenhänge von Vorstellungen gesehener Motive in ihren Beziehungen zu anderen Situationen und Objekten und zur eigenen Person. Es bildet sich ein Gedächtnis, in dem Gesehenes zu emotional eingefärbten Inhalten umgewandelt, in „Frage“ gestellt, geordnet und wieder abrufbar gemacht wird. Dieser Vorgang des Denkens, der Auseinandersetzung geht somit über die bloße Erinnerung des Erlebten hinaus. Er kann verstanden werden als eine gedankliche Untersuchungsmethode, die das Netz von Erinnerungsspuren durchleuchtet für eine andere Form der Identität des „Er-lebten“, die über das äußere Abbild hinausgeht.

Dagmar Honke-Delphi